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Geschlechtsneutrale Schreib- und Sprechweise

 

Verankerung in der Satzung

WIESO?  Argumente und Gegenargumente

WIE? Anleitungen und Umsetzungsvorschläge

 

 

Verankerung in der Satzung

 

Die sprachliche Gleichbehandlung ist im Satzungsteil Gleichstellungsplan 2017 und im Satzungsteil Frauenförderungsplan 2017 verankert.

 

Der Satzungsteil Gleichstellungsplan 2017 iSd § 20b UG (GLP 2017), Beschluss des Rektorats vom 13.12.2017 besagt:

§ 12 Sprachliche Gleichbehandlung

(1) In allen dienstlichen Schriftstücken, offiziellen Mitteilungen sowie in offiziellen Dokumenten der Universität Graz sind entweder explizit die weibliche und männliche Form oder geschlechtsneutrale Bezeichnungen oder geeignete geschlechtergerechte Bezeichnungen zu verwenden, wenn nicht nur ein Geschlecht gemeint ist. Darüber hinaus sind alle Organe und Angehörigen der Universität Graz angehalten, sich in Aussendungen, Formularen, Protokollen, Reden, Interviews und anderen an die Öffentlichkeit oder an die Universitätsangehörigen gerichteten Mitteilungen und in der Lehre unter Wahrung der Wissenschafts- und Lehrfreiheit einer geschlechtergerechten Sprache zu bedienen. Es soll daher in allen Schriftstücken und öffentlichen Äußerungen entweder explizit die weibliche und männliche Form oder eine geschlechtsneutrale Bezeichnung verwendet werden. Unsachliche Differenzierungen zwischen Frauen und Männern sind zu unterlassen.

(2) Formulierungen sowie Organ- und Funktionsbezeichnungen sind so zu wählen, dass sie Frauen und Männer gleichermaßen betreffen.

(3) Alle Organe und Angehörigen der Universität Graz haben sich in allen dienstlichen Schriftstücken, offiziellen Mitteilungen sowie in offiziellen Dokumenten und in Aussendungen, Formularen, Protokollen, Reden, Interviews und anderen an die Öffentlichkeit oder an die Universitätsangehörigen gerichteten Werbemitteln oder Mitteilungen und in der Lehre einer diskriminierungsfreien Sprache und einer diskriminierungsfreien Bildsprache in Hinblick auf Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, Alter, sexuelle Orientierung sowie Behinderung zu bedienen.

 

Download des Satzungsteil Gleichstellungsplan 2017

Download des Satzungsteil Frauenförderplan 2017

 

 

 

 

WIESO? Argumente und Gegenargumente

 

Sollte ich mich als Frau angesprochen fühlen, wenn ein Brief mit der Anrede „Lieber Student“ oder „Lieber Kunde“ anfängt? Sind Frauen wirklich mitgemeint, trotz der männlichen grammatischen Form, wenn die Rede von Wissenschaftlern, Doktoren, Künstlern und Rektoren ist? Warum werden weibliche Gebäudereiniger Putzfrauen genannt, männliche Bodenpfleger? Wieso gibt es keine Krankenbrüder, obwohl es als Berufsbezeichnung symmetrisch mit der Krankenschwester wäre? Wo kommt das her, dass das Wort Junggeselle viel positivere Assoziationen weckt als alte Jungfer? Spielt das alles überhaupt eine Rolle, oder sind das nur Kleinigkeiten, die die historische Struktur der Sprache widerspiegeln, aber nichts mit der realen soziokulturellen Situation der Frauen zu tun haben?

 

Geschlechtsneutral zu formulieren mag auf dem ersten Blick ein großer Aufwand sein. In der deutschen Sprache ist die geschlechtsneutrale Formulierung vielleicht noch schwieriger als in vielen anderen Sprachen, allein wegen der Tatsache, dass alle Wörter nach dem grammatischen Geschlecht gegliedert sind.

 

Warum sollte dann die Mühe aufgewendet werden, geschlechtergerechte Sprache zu verwenden? Auf der anderen Seite, welche Argumente liefern diejenigen, die es für nicht sinnvoll halten, alte etablierte Sprachformen zu ändern?

 

ARGUMENT
Frauen sind in den männlichen Formen „mitgemeint“. Obwohl sie nicht ausdrücklich genannt werden, bezieht sich die männliche Form auf beide Geschlechter. Das biologische Geschlecht und grammatikalische Genus dürfen nicht gleichgesetzt werden.

ANTWORT
Frauen müssen sich angesprochen fühlen können. Obwohl in der sprachwissenschaftlichen Theorie keine Verbindung zwischen dem Sexus und Genus existiert, stellen Leute in der Praxis eine her
(Beispiel 1). Wenn auch die weibliche Form genannt wird, werden Frauen sichtbar gemacht und es wird signalisiert, dass sie die gleichen gesellschaftlichen Stellungen belegen können. Ohne explizite Nennung von Frauen werden sie von der Gruppe der aktiven Handelnden ausgeschlossen.

 

ARGUMENT
Das „generische“ Maskulinum verweist eher auf die Kategorie „Mensch“. Es wird als neutral empfunden, besonderes wenn es im Plural vorkommt. Es wird verwendet, wenn auf Personen und Gruppen referiert wird, deren Geschlecht unspezifiziert ist oder wenn beide Geschlechter gleichermaßen gemeint sind. Die übergeschlechtliche, grammatikalisch neutrale Bedeutung des Maskulinums geht wegen der Doppelformen allmählich verloren.

ANTWORT
Der Gebrauch von maskulinen Personenbezeichnungen für Frauen reproduziert und verstärkt Stereotypen über die Rollen von Frauen und Männern, und damit Erwartungen, was sie machen können und sollen. Es widerspricht dem Grundsatz der Gleichberechtigung von Frau und Mann. Wenn auf Professoren, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Doktoren immer nur mit der männlichen Form referiert wird, werden unsere Vorstellungen verstärkt, dass sie öfter Männer sind. Dadurch schränkt sich vielleicht unser Vorstellungsvermögen ein, dass auch Frauen diese Positionen genau so gut einnehmen können. Wenn wir Frauen weniger in diesen Berufen erwarten, erwarten wir auch weniger von ihnen. Die Erwartungen beeinflussen das Verhalten, die Leistung.

Das „generische“ Maskulinum wird nicht immer konsequent verwendet. Wenn auf SekretärInnen oder Reinigungskräfte hingewiesen wird, wird das Femininum öfter benutzt, obwohl gleichermaßen auch Männer gemeint sein können. Wenn es um höhere soziale Stellungen geht, wird das Maskulinum wieder in Gebrauch genommen.

 

ARGUMENT
Sprachliche Formeln sind nur die Oberfläche. Außersprachliche Diskriminierungen bleiben unangetastet, wenn das Interesse nur an der Sprache liegt. Die Feinheiten der Sprache sind nicht so wichtig wie die gesellschaftliche Gleichstellung von Männern und Frauen.

ANTWORT
Die Sprache reflektiert die Ungleichheit zwischen den Frauen und Männern in unserer Gesellschaft, der ein patriarchalisches hierarchisches System zugrunde liegt. Die soziale Unterdrückung und Diskriminierung der Frauen als Gruppe spiegelt sich im „generischen“ Maskulinum wider. Sprache hat implizierte soziale Folgen, und deshalb ist es wichtig, die Sprache zu ändern, um diese Strukturen sichtbar zu machen.

 

ARGUMENT
Es gibt historische Gründe für die Formen der Sprache, und etablierte Formen sollten nicht verändert werden.

ANTWORT
Männer werden als Norm vorgestellt, wenn die Rede immer von dem Mensch ist, wenn das Männliche in solchen Komposita wie Mann und Frau, er und sie, Bruder und Schwester, Hänsel und Gretel, Romeo und Julia immer an der ersten Stelle vorkommt und wenn Frauen in Beziehung zu Männern definiert werden, wie z. B. wenn sie nur als Töchter, Mütter und Ehefrauen gesehen werden.

 

ARGUMENT
Wegen der sprachlichen Ökonomie ist es unmöglich, immer beide Geschlechter zu nennen. Das Schreiben und Sprechen wird zu kompliziert, wenn immer Doppelformen benutzt werden müssen.

ANTWORT
Geschlechtergerechte Sprache kann im Sinne von Bedeutungsklarheit ökonomischer sein als traditionell verfasste Texte. Manchmal ist extra Aufwand nötig, um solche Texte zu interpretieren, wo das Maskulinum „generisch“ verwendet wird. Es muss vom Kontext abgeleitet werden, ob tatsächlich auch Frauen gemeint sind oder nur Männer (Beispiel 2).

 

ARGUMENT
Die vorgeschlagenen Alternativen, die der sprachlichen Gerechtigkeit dienen sollen, verletzen die traditionellen Grammatikregeln und widersprechen der optischen Ästhetik. Geschlechtergerechte Sprache führt zu unlesbaren Texten.

ANTWORT
Die feministische Linguistik wünscht nicht, den traditionellen Grammatiken zu entsprechen, sondern sie zu ändern, weil es auch Änderungen in der Rolle der Frau gegeben hat, die alle (noch) nicht in der Sprache zu sehen sind. Mit den Änderungen steigt auch das allgemeine Bewusstsein für Geschlechterfragen. Z. B. Das Binnen-I dient auch als Provokation und macht die Forderung nach geschlechtergerechter Sprache sichtbar.

 

ARGUMENT
Die Sprache kann nicht von oben verändert werden, sondern der Wandel ist ein Ergebnis natürlicher Prozesse.

ANTWORT
Die Sprache befindet sich im ständigen Wandel und ist immer den Machtinteressen bestimmter Gruppen unterworfen. Gleichzeitig hat sie eine große politische Bedeutung, sowie die Strebung nach einer veränderten Grammatik eine politische Handlung ist.

 

ARGUMENT
Die Forderung nach geschlechtergerechter Sprache ist unwichtige Sprachspielerei. Die Energie sollte eher dahin gerichtet werden, wo es richtige Probleme gibt. Die Probleme der geschlechtergerechten Formulierung interessieren nur feministische LinguistInnen. Wichtig ist was gesagt wird, nicht wie.

ANTWORT
Die Forderung nach geschlechtergerechtem Sprachgebrauch hat ihre Wurzeln in der zweiten Frauenbewegung und entspricht dem Bedürfnis der breiten Masse der Frauen. Die Wissenschaft reagiert darauf, was in der Gesellschaft existiert.

Text: Jaana Tapio

 

 

 

 

Geschlechtergerecht formulieren - WIE?

 

Anleitungen und Umsetzungsvorschläge zur geschlechterneutralen Schreib- und Sprechweise:


Sprachliche Gleichbehandlung - Leitfaden und gesetzliche Grundlagen (Bundeskanzleramt Österreich, Bundesministerium für Frauen und Öffentlichen Dienst)

PowerPoint Präsentation "Texte richtig gendern"

 

Infos zur sprachlichen Gleichbehandlung finden Sie auch beim Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (AKGL).

Die MitarbeiterInnen des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen beraten gerne persönlich bei allen Fragen rund um gendersensible Formulierungen, zum Beispiel auch bei Titeln von Lehrveranstaltungen oder Ringvorlesungen.

 

Literatur

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